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Die Finanzierung von Bildungsmedien steht auf tönernen Füßen - Hauptversammlung 2008 bestätigt Vorstand/“Qualitätskampagne“

Die derzeitige Finanzierung von Schulbüchern und Bildungsmedien kann die vielschichtigen Bedürf­nisse der Schulen angesichts der umfassenden bundesweiten Bildungsreformen nicht erfüllen - die Finanzierungssysteme müssen deswegen entweder neu gestaltet oder wesentlich besser ausgestattet werden. Dies betonte die 53. Hauptversammlung des VdS Bildungsmedien e.V., die am vergangenen Freitag in Potsdam zu Ende ging. Der Vorstand des Verbandes wurde auf dieser Jahrestagung bestä­tigt. Die Verleger verständigten sich darauf, über eine „Qualitätskampagne“ die Wertigkeit und die besondere Funktion von Bildungsmedien in der täglichen Unterrichtspraxis heraus stellen zu wollen.

„In fast allen Bundesländern, in den allgemein bildenden wie in den beruflichen Schulen und in fast allen Fä­chern fährt der Reformzug weiter, in dem Kernlehrpläne, Ausbildungsordnungen, Fächerkombinationen und vieles andere mehr neu gestaltet werden,“ erklärte der Vorsitzende des Verbandes, Wilmar Diepgrond. „Wenn diese sicher notwendigen inhaltlichen Neubestimmungen von Unterricht und Bildungspraxis zügig und solide umgesetzt werden sollen und müssen, dann bedarf es hierfür einer nachhaltigen und soliden Finan­zierungsbasis“. Die Schulbuchetats der Länder und Gemeinden wurden in letzter Zeit bis auf wenige Ausnahmen dem Schulbedarf und dem Reformtempo nicht angepasst, sodass jetzt die tatsächliche Gefahr besteht, dass die Reformen - z.B. beim achtjährigen Gymnasium oder auch in der Sekundar­stufe I - deutlich ins Stocken geraten. Erhebliche Probleme haben die Schulbuchverleger mit Bayern und NRW: Im Freistaat wurde das von Eltern und Kommunen bekämpfte „Büchergeld“ jüngst abge­schafft - ohne dass sich bis heute eine im Finanzvolumen vergleichbare Lösung abzeichnet. Im Ge­genteil: Da sich ganz offensichtlich die bayerischen Schulträger sperren, den kleineren Teil der Schul­buchkosten (nämlich ca. 1/3) zu übernehmen, wird im Süden voraussichtlich eine erhebliche Unterfi­nanzierung der Schulbuchbudgets zementiert - die unvertretbare Verschleppungen der Schulrefor­men bedingen würde. Zu Beginn des neuen Schuljahres 2008/09 droht zudem eine weitere funda­mentale „G8-Krise“: Wer wie viel Geld für die jetzt benötigten G8-Bücher aufbringen wird, steht noch immer in den Sternen.

In NRW fällt der Elternanteil an den Schulbuchkosten wieder auf 1/3 zurück, nachdem er jahrelang bei knapp 50 % gelegen hatte. Dadurch werden sich die Ausleihzeiten für Schulbücher wieder deut­lich erhöhen - auf 8 bis 9 Jahre, schätzt der Verband. „Dies ist angesichts der Tatsache, dass in NRW für alle Fächer der Sekundarstufe neue Kernlehrpläne gemacht wurden, geradezu unverständlich“, betonte Ver­bandsvorsitzender Diepgrond. Völlig unverständlich ist ihm auch die Wiedereinführung der Buch­ausleihe in der beruflichen Bildung: „Gerade hier, wo ständig Neuausgaben und Neuauflagen produziert werden müssen, weil sich die Inhalte permanent ändern und die Berufsschüler auf ganz aktuelle Li­teratur angewiesen sind, ist eine staatliche Ausleihe geradezu kontraproduktiv“, erklärte Diepgrond. Der Verband wird insbesondere mit diesen beiden Bundesländern im Dauerkontakt bleiben, um sinnvol­lere Finanzierungssysteme zu erreichen.

Wahlen: In ihren Vorstandsämtern bestätigt wurden von der 53. Hauptversammlung Wolf-Rüdiger Feldmann (Geschäftsführer des Cornelsen Verlags), Hans-Dieter Möller (Geschäftsführer der Bildungs­haus Schulbuchverlage Westermann, Schroedel, Diesterweg, Schöningh, Winklers GmbH) sowie Dr. Gerd-Dietrich Schmidt (Geschäftsführer des Duden Paetec Verlages). Vorsitzender des Verbandes bleibt Wilmar Diepgrond (Geschäftsführer des Bildungsverlag EINS), stellvertretender Vorsitzender des Verbandes Wolf-Rüdiger Feldmann. Das Amt des Schatzmeisters bekleidet weiterhin Hans-Dieter Möller. Weitere Vorstandsmitglieder, deren Wahlen nicht anstanden, sind die Verleger Michaela Hue­ber, Hueber Verlag, und Andreas Klinkhardt, Julius Klinkhardt Verlag, sowie der Geschäftsführer des Ernst Klett Verlages, Karl Slipek.

Als ein großes Manko betrachten die Bildungsverleger die Tatsache, dass es der Öffentlichkeit wie den Bildungspolitikern an grundlegendem Wissen über den Einsatz und die Wirkungsweise von Schulbüchern mangelt. „Selbst die Erziehungswissenschaften haben sich schon seit rund zwanzig Jahren nicht mehr intensiv mit diesem Thema beschäftigt“, betont Diepgrond. Abhilfe schaffen soll folglich eine Kampagne zur Verdeutlichung der Qualitätsmerkmale von Bildungsmedien. Den Auftakt hierzu soll eine Analyse der Produktions- und Qualitätsbedingungen und der Rolle von Schulbüchern im Unterricht bilden, als Transporteure von Reforminhalten und als Lernwerkzeuge von Schülern. Der Verband will dazu eine Konferenz durchführen gemeinsam mit dem Georg-Eckert-Institut wie der TU Dres­den und der Universität München.

Der VdS Bildungsmedien organisiert 83 Anbieter von Bildungsmedien, die jährlich ca. 3.000 bis 4.000 neue Titel auf den Markt bringen (Gesamttitelangebot rund 40.000). Der Branchenumsatz (Bildungs­medien für das schulische, berufsorientierte und das Freizeitlernen) stagnierte 2007 bei rund 500 Mio. €. Die mittelständig geprägte Branche hat etwa 3.000 Mitarbeiter. An sie sind etwa 30.000 Autoren ge­bunden, die Bildungsmedien nach über 3.000 Unterrichtsvorgaben der Länder produzieren.


16.06.2008
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