Bildung und Digitalisierung

 

Alles digital oder was?

In Deutschlands Schulen bricht ein neues Zeitalter an

Tablets, Laptops, Lernplattformen – der Alltag in Deutschlands Klassenzimmern verändert sich. Wo früher Schreibblock, Kreidetafeln und Taschenrechner das Bild bestimmten, sind digitale Geräte und Assistenten heute gang und gäbe. In immer mehr Bildungseinrichtungen wird der Einsatz digitaler Medien samt einer Vielzahl innovativer Programme und Anwendungen zum Standard. Für alle am Bildungsprozess Beteiligten bedeutet dies vor allem: Umdenken! Herkömmliche Formen der Wissensvermittlung und -aufnahme werden durch neue, zunehmend partizipative und interaktive Wege des Lehrens und Lernens ersetzt – eine spannende Entwicklung, die freilich in die richtige Richtung gesteuert werden will. Die Bildungsmedienverlage bringen sich in diesen Prozess ein – sie sind aktive Mitgestalter auf dem Weg in die digitale Bildungswelt.

Lehren und Lernen in der digitalen Bildungswelt bietet zahlreiche Vorteile! So erhöht der Einsatz digitaler Medien die Möglichkeit, immer mehr Menschen an Bildung teilhaben zu lassen. Das schafft potenziell mehr Chancengleichheit und somit bessere Ausgangsvoraussetzungen für einen erfolgreichen Lebensweg. Digitale Medien erleichtern den Wissenserwerb, laden zum Mitmachen ein und fördern Kreativität und Gestaltungsdrang. Eigenständigkeit, Neugier und vernetztes Denken sind – geschulte Anwendung vorausgesetzt – weitere positive Effekte.

Zugleich zieht der Einsatz digitaler Medien auch Fragen nach sich: Wie ist es um die Mediennutzungskompetenz der Schülerinnen und Schüler bestellt – wissen sie, welche Stärken, aber auch Schwächen elektronische Medien haben? Wie können Lehrerinnen und Lehrer digitale Werkzeuge bei der Unterrichtsvorbereitung einsetzen? Können digitale Lösungen die Schülerinnen und Schüler bei den Hausaufgaben oder der Prüfungsvorbereitung unterstützen? Und schließlich: Wer zahlt eigentlich für gute digitale Bildung?

Die Politik ist sich – neben den offensichtlichen Chancen – auch der Komplexitäten bewusst, die mit einer digitalen Bildungswelt einhergehen. Sie weiß, dass Bildung in der digitalen Welt kein Selbstläufer ist, sondern behutsam eingeführt und begleitet werden muss. Sie weiß, dass es nicht nur um die Freude am jüngsten „gadget“1), sondern auch um einen kritischen, reflektierten Umgang mit Suchmaschinen, Online-Portalen, Social Media oder auch Gaming-Anwendungen gehen muss. Die Kultusminister der Länder haben deshalb im Dezember 2016 eine Strategie „Bildung in der digitalen Welt“ vorgelegt und darin einen „Kompetenzrahmen verbindlicher Anforderungen“ formuliert. Sechs Kompetenzen sind es, die Schülerinnen und Schüler ab 2018/19 bis zum Ende ihrer jeweiligen Pflichtschulzeit erlernen sollen: Suchen, Verarbeiten und Aufbewahren; Kommunizieren und Kooperieren; Produzieren und Präsentieren; Schützen und sicher Agieren; Problemlösen und Handeln; Analysieren und Reflektieren.

Das verbindliche Element dabei: Die genannten Kompetenzbereiche werden zum integrativen Teil der Fachcurricula aller Fächer. Und hier kommen wir – die Bildungsmedienverlage – ins Spiel: Wir entwickeln Bildungsmedien, die die Aneignung der sechs Kompetenzen gewährleisten. Wir wirken – gemeinsam mit Lehrerinnen, Lehrern, Autorinnen und Autoren – entscheidend mit bei der Umsetzung digitaler Bildungskonzepte. Dieser Aufgabe stellen wir uns vollumfänglich – und mit unserer ganzen Leidenschaft für die Bildung!

Von interaktiven Wandkarten bis zum Online-Wörterbuch – professionelle Bildungsmedien für die digitale Welt

Die Bildungsmedienverlage sind die Experten für die Herstellung von Bildungsinhalten und deren didaktische Aufbereitung. Dies gilt gerade auch für digitale Angebote: Bereits seit den 1990er Jahren investieren die deutschen Bildungsmedienverlage intensiv in die Entwicklung von so genannten E-Didaktiken, d. h. die Unterstützung von konkreten didaktischen Zielen durch elektronische Lehr- und Lernmittel. Digitale Bildungsmedien wie beispielsweise interaktive Schulbücher und Tafelbilder, Übungs- und Prüfungssoftware oder auch Blended-Learning-Lösungen2) gehören heute auch deshalb zum Alltag in Kita, Schule und Instituten der beruflichen und Erwachsenenbildung, weil Bildungsmedienverlage den Weg in die digitale Bildung von Anfang an mitgestaltet haben. Gleichzeitig wollen die Bildungsmedienverlage mit ihren Angeboten zu einer gesteigerten Akzeptanz von digitalen Medien im Unterricht beitragen.

Dabei werden Bildungsmedienverlage ihr Credo niemals aus den Augen verlieren, dass Bildung auch und gerade im digitalen Umfeld höchsten pädagogischen Ansprüchen zu genügen hat. So raffiniert und benutzerfreundlich – neudeutsch: „convenient“ – die neueste Technik, das jüngste Tool auch sein mögen – entscheidend ist, dass sie dazu geeignet sind, erforderliches, für das spätere Leben unverzichtbares Wissen zugleich anschaulich und nachhaltig zu vermitteln.

Um diesen Ansprüchen gerecht zu werden, investieren Bildungsmedienverlage massiv in digitale Angebote. Unterrichtsassistenten, Online-Diagnose-Tools oder Simulationssoftware werden entwickelt, erprobt und in den Markt gebracht – oder auch wieder verworfen! Die Entwicklung digitaler Bildungsmedien stellt zwar kein „Neuland“ mehr dar – dennoch ist sie höchsten betriebswirtschaftlichen Risiken unterworfen. Die Verlage sind bereit, diese Risiken einzugehen, solange sie sich auf faire, keine einzelnen (neuen) Wettbewerber bevorteilende Rahmenbedingungen verlassen können.

Zu den „Neuen“ im Markt zählen die Anbieter so genannter Open Educational Resources, kurz OER. Dies sind freie Lern- und Lehrmaterialien, die in der Regel auf Basis von Open- Source-Software zur Verfügung gestellt werden und durch ihre Nutzer verändert, kombiniert und in anderen Zusammenhängen wieder- oder weiterverwendet werden können. Die ursprüngliche Idee hinter OER besteht, vereinfacht gesagt, darin, möglichst vielen Menschen einen möglichst einfachen und unmittelbaren Zugang zu Bildungsinhalten zu ermöglichen – eine Idee, die wir mit eigenen offenen Angeboten mittragen.

Bildungsmedienverlage nehmen im Hinblick auf OER somit keine protektive Haltung ein. Zugleich engagieren sich Bildungsmedienanbieter für einen gehaltvollen, gestalterischen Umgang mit OER. Der bloße Konsum der neuen Quellen stellt noch keinen Fortschritt dar – vielmehr geht es darum, die kritischen Sinne, Kombinationsvermögen und Kreativität zu fördern. Der unbegrenzte Zugang zu Wissen und Formaten führt dann zu nachhaltigen Erfolgen, wenn Didaktiken bereitstehen, die den Lernenden dabei helfen, Stoffe interaktiv zu verarbeiten, Erlerntes zu teilen, digital zu interagieren. Ziel allen Lernens bleibt es, das eigene Denk- und Urteilsvermögen zu schärfen und weiterzuentwickeln. Die Bildungsmedienverlage wirken an vorderster Front daran mit, dieses Ziel zu erreichen.

Schließlich: Wie alle professionellen Bildungsmedien folgen auch die digitalen Produkte dem Indoktrinationsverbot und stellen Diversität angemessen dar. Sie enthalten ausschließlich Materialien, bei denen das Urheberrecht geklärt ist, sind für verschiedene Endgeräte und Betriebssysteme verfügbar und entsprechen dem europäischen Datenschutzrecht.

 

Was erwarten wir von der Politik? Handlungsempfehlungen für die 19. Legislaturperiode

Die Bundesregierung plant, eine „digitale Bildungsoffensive“ für den gesamten Bildungssektor auf den Weg zu bringen. Dieses Ansinnen unterstützt der Verband Bildungsmedien e. V. mit Nachdruck. Allerdings hapert es – insbesondere mit Blick auf den Digitalpakt – zuweilen noch an der konkreten, bedarfsgerechten Umsetzung. Wir als Bildungsmedienexperten möchten nachstehend auflisten, wo in dieser Legislaturperiode u. E. die Prioritäten gelegt werden sollten:

Digitalpakt zügig umsetzen!

Die Umsetzung des im Jahr 2016 angekündigten Digitalpakts darf nicht länger aufgeschoben werden und durch politische Grabenkämpfe blockiert werden. An vielen allgemeinbildenden und beruflichen Schulen fehlt eine anforderungsgerechte IT-Infrastruktur, welche ein tatsächliches digitales Lernen und Lehren ermöglicht. Daher muss die Teilfinanzierung der geplanten 5 Milliarden Euro in der Haushaltsaufstellung 2018/19 schnellstmöglich abgebildet werden. Dabei stellt der Einsatz von Tablets und Co. im Unterricht keinen Selbstzweck, sondern eine hilfreiche Unterstützung bei der Realisierung konkreter didaktischer und pädagogischer Ziele im Unterricht dar. Daher wäre es fatal, die Mittelbereitstellung einseitig auf die Technik zu konzentrieren – Budgets braucht es auch für die Beschaffung digitaler Lern- und Lehrkonzepte, ohne die die neue Infrastruktur wirkungslos bleibt.

Gemeinsam die Akzeptanz für digitale Bildungsmedien erhöhen!

Der pädagogische Einsatz von digitalen Bildungsmedien im Unterricht ist oftmals noch mit Vorbehalten behaftet. Daher müssen – neben den entsprechenden technischen und inhaltlichen Grundvoraussetzungen – auch Maßnahmen zur nachhaltigen und praxisorientierten Qualifizierung von Lehrkräften ergriffen werden. Lehreraus- und Fortbildungen müssen so gestaltet werden, dass diese die Lehrkräfte auf einen selbstbewussten und kompetenten Umgang mit digitalen Medien vorbereiten. Zur weiteren Entlastung der Lehrkräfte sollten in Schulen genügend Stellen für IT-Experten und -Expertinnen geschaffen werden, die sich um die Administration von Daten und technischer Infrastruktur kümmern.

Rechtesicherung auch im digitalen Zeitalter!

Bildungsmedienverlage sind „pro OER“ (Open Educational Ressources) im Sinne von: pro rechtesichere OER. Innerhalb der von der Bundesregierung geplanten OER-Strategie sollten daher klare Qualitätsstandards für OER-Materialien definiert werden. Erforderlich ist eine Instanz, die prüft, ob als OER gekennzeichnete Materialien auch tatsächlich verwendet werden dürfen oder nicht. Urheberrechtsverletzende Inhalte haben keinerlei Anspruch auf Marktzugang. Politik und Rechtsstaat müssen gewährleisten, dass diese Spielregeln eingehalten werden. Bildungsmedienverlage helfen dabei – sie verfügen über die Kompetenz, OER „rechte-sicher“ zu machen.

Finanzierung nachhaltig sichern!

Es ist im Übrigen davon auszugehen, dass langfristig gesehen, die angekündigten 5 Milliarden Euro nicht ausreichen werden. Sowohl im Bund als auch in den Ländern bedarf es daher einer stetigen Aufstockung der Etats für herkömmliche und digitale Bildungsmedien. Nur so kann den gewachsenen Anforderungen und Bedarfen entsprochen und den Anbietern Planungs- und Investitionssicherheit gewährleistet werden. Dieses gilt gleichwohl auch für die bedarfsgerechte finanzielle Ausstattung der Schulen, welche in Zukunft neben steigenden Kosten für fachliche und personelle Ressourcen auch die Kosten für die Wartung und stetige Anpassung der IT-Infrastruktur abdecken müssen.

 

1) Gerät, Apparat, technische Spielerei

2) didaktisch sinnvolle Verknüpfung von Präsenzveranstaltungen und virtuellem Lernen auf der Basis neuer Informations- und Kommunikationsmedien

 

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